Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Mittelberg im Kamptal

WEINGUT AM BERG Reife Weine von Michael und Ludwig Gruber

Riedenauswahl vom Weingut am Berg

Zwei Brüder, die das Weinmachen als abwechslungsreiches Handwerk genießen

Die letzte Eiszeit hat den Winzern von Mittelberg bei Langenlois (Kamptal) eine wunderbare Vielfalt an Böden hinterlassen. Michael Gruber, der Winemaker des Weinguts am Berg, ist begeistert sowohl vom Löss, der an den Westhängen angeweht wurde, als auch vom Urgestein, das ihm die Ausläufer der Böhmischen Platte bescheren und nicht zuletzt vom sandigen Schotter auf ebenen Rebflächen: „Wir haben ein gutes Portfolio. Ich kann Grünen Veltliner auf drei verschiedenen Bodentypen ausbauen und vergleichen. Es passt in jedem Jahr, ob trocken oder feucht.“ In seinen Lagen reift Wein auf einer Seehöhe bis zu 500 Metern. Noch sind Käferberg, Steinhaus, Kellerberg oder Loiserberg keine ausgesprochenen Kultlagen. Mit einem Blick auf die Erfolge der beiden Brüder Michael und dem für die administrative Arbeit zuständigen Ludwig, zum Beispiel als Finalisten bei der Schlossquadrat Trophy, wird sich das Ansehen dieser Rieden bald ändern. Dazu gehört natürlich die Persönlichkeit der Weine, die sich im Hause Gruber selbstbewusst vom derzeitigen Mainstream unterscheidet.

Michael Gruber vom Weingut am Berg

Michael steht zu seinem Riesling, der deutlich eine Spur von Restzucker aufweist: „Ich liebe die kräftigen Weine und habe kein Problem mit zwölf Gramm, wenn es mit der Säure stimmig ist.“ Bei der zweiten Hauptsorte, dem Grünen Veltliner, hält er nichts vom grüngrasigen Eiszuckerl: „Er muss Zeit haben und reif schmecken. Bei mir wird es keine Weine geben, die durchsichtig aussehen. Sie dürfen auch eine schöne Farbe haben“, die dadurch erreicht wird, dass die gerebelten Trauben bis zu zwölf Stunden in der Presse liegen, „und – für mich ein Riesenkriterium – sie müssen typisch für ihren Jahrgang schmecken.

Der Familienkeller in der Kellergasse von Mittelberg

Die ausnahmslos handgelesenen Trauben erfahren je nach Sorte bereits im Weingarten ihre ganz persönliche Behandlung. So wächst ein Teil des Grünen Veltliners in der doch arbeitsaufwändigeren Vertiko-Erziehung, das heißt, anstelle der Bögen werden am alten Holz über die ganze Höhe der Laubwand etliche Zapferln mit ein bis drei Augen geschnitten. Wenn auch das notwendige Ausgeizen der Nebentriebe mehr Arbeit macht, so erspart sich der Winzer das Einfädeln und viel Laubarbeit.

Reif ist für Michael eine Traube erst, wenn der Kern braun ist. Geerntet wird mit 18 und mit ca. 20 °KMW, das Ergebnis später cuvetiert, um von dem einen die Frische und vom anderen die Aromatik zu erhalten. Gelagert werden die Weißweine großteils in Stahltanks im Haus in der Ortschaft. Die Rotweine erfreuen sich eines Holzausbaus in der alten Kellerröhre. Gerne bringt der Winzer den Besucher in die Kellergasse, deren Häuschen pittoresk neben- und übereinander angeordnet sind.

Man sieht von hier weit ins Land hinein über wohl gepflegte Weingärten, die jedoch, so Michael, in Gefahr sind, aufgelassen zu werden. Zukaufen will er aber nicht. Mit den 18 Hektar seines Weinguts, das übrigens 1451 erstmals urkundlich erwähnt wird, hat er für sich gerade die richtige Größe gefunden. „Weinmachen ist für mich Handarbeit“, lautet die Philosophie des Jungwinzers, „und ich möchte jeden Arbeitschritt selbst vollziehen. Das ist das Schöne am Wein, man hat immer Abwechslung.“

Blick über die Weingärten von Mittelberg
Weingut am Berg Logo 400

Statistik