Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Azienda Agricola Scarbolo

SCARBOLO Der Vielfalt an Traubensorten verschrieben

Im Kostraum der Azienda Agricola Scarbolo

Das Weingut, auf dem Pignolo viele Jahre reifen darf

Über den Weingärten thront eine Kapelle. Dort hinauf wurde sicher immer wieder in den mehr als 90 Jahren, in denen die Familie Scarbolo ihr Weingut in Spessa (Gemeinde Cividale del Friuli) betreibt, manch ein Gebet gerichtet. Der Erfolg eines Winzers ist zum guten Teil vom passenden Wetter abhängig, und ein solches kann einem nur der Himmel schenken. Wenn´s passt, dann gedeiht auf den circa 25 Hektar, die direkt an das Haus anschließen, eine ganze Reihe von wunderbaren Traubensorten. Die Weinkarte nimmt sich wie eine Liste der autochthonen Sorten des Friaul aus. Der Genießer dieser Raritäten findet neben internationalen weißen Sorten wie Sauvignon, Pinot Grigio und Chardonnay den seit dem 14. Jahrhundert hier beheimateten Ribolla Gialla, den ehemals als Tocai benannten Friulano, den ebenfalls seit Ewigkeiten hier gekelterten Malvasia. Zu entdecken ist auch der Verduzzo, der Wein der Päpste und Könige, der seit den Römern an allen Küsten des Reiches bekannte Moscato Giallo und süßer Picolit, dem der Boden aus Mergel und Sandstein besonders entgegenkommt.

Silvia, die charmante Kundenbetreuerin bei Scarbolo

Ein ähnlich vielfältiges Bild bieten die Rotweine von Scarbolo. Selbstverständlich gibt es Cabernet Franc und Merlot, wobei Merlot mit Refosco zur Cuvée Ronco di Canova, benannt nach dem Hügel, der einst der Familie Canova gehörte, verschnitten wird. Solo ausgebaut wird der Refosco dal penduncolo rosso, der sich trotz der Gefahr des Aussterbens aufgrund seiner besonderen Qualität wieder durchgesetzt hat. Schiopettino gehört selbstverständlich dazu. Er liebt die sanften Hügel der Colli Orientali del Friuli besonders. Dort erhält er sein „Knistern“, das ihm den Namen gegeben hat.

Diese Glasmuschel ist nur eine der vielen Auszeichungen des Weingutes

Ausgebaut wird er ausschließlich im Stahltank. Schließlich soll er seine würzige Lebendigkeit nicht durch Holz verlieren. Besonders am Herzen liegt Sergio Scarbolo der Pignolo. Er selbst bezeichnet sie als die vortrefflichste autochthone Rebsorte des Friaul. Pignolo darf über Jahre im Holzfass zum großen DOC heranreifen, um sich dann als ausgezeichneter alterungsfähiger Wein in den Kellern wahrer Weinfreunde über lange, lange Zeit seinen, wie Sergio sagt, imposanten und ländlichen Charakter zu erhalten.

Großvater Antonio zog mit seinem Bruder nach Spessa, wo er als Pächter des Krankenhauses Cividale mit der Produktion begann. Sein Sohn Attilo kaufte in den 1970er-Jahren die Weingärten, bis Sergio seine Nachfolge antrat und nun von der jungen Generation beim Weinmachen unterstützt wird. Man ist stolz auf 90 Jahre Geschichte, aber auch auf die Philosophie, die den Weinen von Scarbolo zugrunde liegt. Geerntet wird ausschließlich mit der Hand und die Trauben so schonend verarbeitet, dass ihr Erscheinungsbild typisch für die Sorte und für ihre Herkunft bleibt. Trockener Wein ist tatsächlich trocken, Süßwein wird zum farbenprächtigen Erlebnis von Duft- und Geschmacksnoten und der Spumante zum spritzigen Begleiter von Festen. Wert gelegt wird auch auf die beiden Linien, in denen Wein von Scarbolo auf dem Markt vertreten ist.

Abgesehen vom Wein in der Damigiana, diesem für den Friaul besonderen Gefäß, der preisgünstig unters Volk kommt, gibt es die zweite Linie. Betont wird, dass es sich dabei um DOC-Tafelwein handelt, wie man ihn in Bars und Restaurants bekommt. Für die erste Linie schließlich werden die Trauben penibel selektiert. Diese Flaschen sind zur jeweils gegebenen Zeit im guten Fachhandel erhältlich und damit die wahren Botschafter höchster friulanischer Weinkultur.

Die Fülle an Rebsorten zeichnet das Weingut Scarbolo aus
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