Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


50 Jahre Kremser Schmidt – 73 Jahre Winzer Krems

Von der Genossenschaft zum Top-Weingut

Die Adresse Sandgrube 13 ist bereits seit Generationen von Weinfreunden ein Begriff für verlässliche Qualität. Aushängeschild war lange Zeit der Kremser Schmidt, ein Wein für alle Gelegenheiten, benannt nach dem großen Sohn der Stadt Krems, dem Maler Martin Johann Schmidt (1718-1801). Es gib ihn noch immer, den Kremser Schmidt, seit nunmehr immerhin 50 Jahren, als Teil eines in der Zwischenzeit kräftig gewachsenen Sortiments an beachtlichen Weinen.

 

Wertfrei betrachtet ist Winzer Krems eine Genossenschaft. Derzeit liefern 1100 Weinbauern die Trauben, um sie in Krems, Sandgrube 13 zu Wein machen zu lassen. Der Großteil stammt aus der nächsten Umgebung, aus dem Weinanbaugebiet Kremstal, der Rest aus dem Traisental, dem Kamptal und dem Wagram. Bewirtschaftet werden rund 1000 ha. Rebfläche, die – so hofft man zumindest nach zwei ertragsarmen Jahrgängen – 2012 wieder reiche Ernte tragen werden.

Genossenschaften wie Winzer Krems sind in unserer Weinlandschaft unverzichtbar. Viele Flächen lägen längst brach, weil zu klein strukturiert, weil zu unrentabel, weil zu wenig Interesse seitens des Nachwuchses, weil, weil, weil…. Gute Gründe, um sich der Mühen des Weinmachens zu entledigen, gibt es viele. So lange für die Trauben aber ein einigermaßen rentabler Preis bezahlt wird und vor allem, so lange sich der Weinbauer gewiss sein kann, dass sie bestens weiter verarbeitet werden, so lange wird er auch die von Generationen auf ihn vererbte Tradition im Weingarten fortsetzen.

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Fotos vom Weinerlebnis für alles Sinne

l.o: Stephan Nessl in der Weinregion

l.u.: Geisterhafter Schatz im alten Kellergewölbe

l.g.u.: Aussicht vom Weinshop

r.o.: Weingarten mit Hiata-Hütte

r.u.: Imposante Inszenierung im Barrique-Keller

r.g.u.: Georgia Creimer: Hands on Tables, 2005

 

Um in dieser Richtung im eigenen Lande zumindest einen kleinen Schritt weiter zu kommen, wendet sich Winzer Krems an den sogenannten Endverbraucher, also an den Weinfreund direkt. Man lädt ihn ein, sich an Ort und Stelle, also dort, wo aus den Trauben der Wein gekeltert wird, ein sinnliches Bild von einem Weingut zu machen. Seit 2005 gibt es dieses Weinerlebnis in acht Stationen, an denen der Besucher neben dem Wissenserwerb auf durchaus unterhaltsame Weise von der Klasse der Weine von Winzer Krems überzeugt wird.

 

Es wird dabei immer wieder verkostet. Zum ersten Mal bereits mitten zwischen den Reben. Vor der „Hiata Hütt´n“, wie sie in dieser Gegend nach wie vor auf den Terrassen zu finden ist, wird ein Glas frischer Weißer verkostet. Dabei wird über die schwere Arbeit des Winzers gesprochen und es werden am Stock die Sorten vorgestellt, die in der nahen Kellerei als Wein zu finden sind.

Bei Winzer Krems wurde dazu eine ausgeklügelte Traubenlogistik entwickelt. Sie besteht aus exakten, für alle Mitglieder verbindlichen Leseterminen, aus ausschließlicher Handlese, aus einem Normbottich-System, das saubere Behälter garantiert, aus strenger Prüfung und rascher Verarbeitung der Trauben. Im Premium-Segment, also den großen Lagenweinen, ist es nur ein Zeitfenster von wenigen Stunden, das für die Einbringung der jeweiligen Ernte geöffnet ist.

 

In Österreich hat das Wort Genossenschaft eigenartigerweise einen leichten, wenn auch eher undefinierbaren Fehlgeschmack. Es sind hierzulande nach wie vor die großen Einzelkämpfer, denen Spitzenqualität zugestanden wird. Daran wird sich auch in nächster Zukunft wenig ändern, trotz etlicher toller Platzierungen von Winzer Krems bei heimischen Weinbewerben und quasi einem Stammplatz im SALON.

 

Aber international, nämlich dort, wo derlei Vorurteile unbekannt sind, wurde der Name längst zum Klingen gebracht. Eine Goldmedaille bei MUNDUS vini mit dem „besten trockenen Weißwein Europas 2009“, einem Riesling von den Terrassen des legendären Pfaffenberges, ist kein Zufall.

Die nächste Kostprobe wartet im Barrique-Keller, einem eleganten modernen Kostraum mit beeindruckender Aussicht auf stimmungsvoll beleuchtete Stahltanks. Davor hat man mit ein paar Schritten das gesamte Einzugsgebiet von Winzer Krems durchmessen und hat beim Schatz im uralten Gewölbe, gemeint sind edle Tropfen aus fünf Jahrzehnten, Bekanntschaft mit spaßigen Kellergeistern gemacht.

 

Ein 3-D Film von Kurt Mündl führt unmittelbar hinein in die Weinwelt des Kremstales, wobei nicht mit frischem Wind und diversen Düften gespart wird. Vorbei an der Installation der Künstlerin Georgia Creimer (Hands on Tables, 2005) geht es wieder zurück an die Oberwelt. Während noch einmal verkostet wird, hat der Besucher Gelegenheit, sich sein Souvenir aus dem dort präsentierten Sortiment von Winzer Krems zu wählen, um ein kostbares Stück Erinnerung aus dem Weingut in Form einer edlen Flasche Wein mit nach Hause zu nehmen.

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