Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Abendsonne im Weingarten der Selvagrossa

Azienda Agricola Selvagrossa, Eleganz und Frische aus kühler Meeresbrise

Muschén ist einer der Spitznamen von Alberto Taddei

Trimpilin, das ist der Bub, der über Eichenkronen läuft

„Luftlinie sind es kaum fünf Kilometer bis zur Adria“, sagt Alberto Taddei und zeigt auf einen zwar unsichtbaren Meereshorizont jenseits einer Hügelkette im Osten seines Weingutes, „ aber seine Nähe wirkt sich in meinem Weingärten sehr positiv aus.“ Bis zu 15 Grad Temperaturunterschied zwischen Tag und Nacht sind, so Alberto, ungemein wichtig für die Trauben, für die volle Reife und Harmonie zwischen Säure und Zucker seiner Rotweine. Die Weingärten liegen rund um das kleine Weingut Selvagrossa in der Gemeinde Borgo Santa Maria bei Pesaro in den nördlichen Marken. Am Hang gegenüber ist das Eindringen der Industrie nicht zu übersehen. Die Weinstöcke scheinen jedoch einen Schutzschild gegen diese Invasion von Lager- und Produktionshallen zu bilden.

Auf seiner Seite des Tales herrscht wundersame Ruhe, von der sich sogar die beiden aufmerksamen Wächter des Hauses, die zwei freundlichen Golden Retriever Homer und Yanko, anstecken lassen.

 

Betrieben wird das Weingut von Alberto und seinem Bruder Alessandro. Der Name Selvagrossa erzählt von der Vergangenheit dieses Platzes. „Bis nach dem Zweiten Weltkrieg war hier ein Eichenwald, so dicht, dass der Großvater als kleines Kind über die Baumkronen gehen konnte“, erinnert sich Alberto

Die Bäume wurden abgeholzt. Die Leute brauchten das Holz zum Wiederaufbau. Großvater Libero erwarb den Grund und setzte Weinstöcke aus. Verkauft wurde dieser Wein in der berühmten Damigiana, einer großen Ballonflasche, wie sie heute noch in Italien zur Lagerung und zum Transport des Weines verwendet wird. Nach dem frühen Tod von Vater Giulio beschlossen Alessandro und Alberto, die Weingärten neu auszusetzen und den Wein in Flaschen abzufüllen.

 

Ihr erster Jahrgang war der 2002er, ein Sangiovese namens Trimpilin, der nicht ganz ohne Selbstironie so getauft wurde. Trimpilin ist nichts anderes als einer der Spitznamen von Alberto und bedeutet soviel wie aufgeweckter Bub, der mit seinen vielen Ideen nichts als Schwierigkeiten macht. Sein Großvater nannte ihn übrigens Muschén, Fruchtfliege, was bei der Persönlichkeit Albertos auf das Gleiche herauskommt

Alberto Taddei mit den beiden Wachhunden Homer und Yanko

Heute ist Muschén passender Weise eine ausnehmend frische, lebendige Cuvée aus Sangiovese (50%), Merlot (30%) und Cabernet Franc (20%). Der dritte Rotwein von Selvagrossa ist der Poveriano, jedoch alles andere als ärmlich, wie sein Name ausdrücken könnte. Der reinsortige Cabernet Franc wächst in der Riede Poveriano, die nach einem Weg benannt ist, der ursprünglich an dieser Stelle durch den großen Wald, den selva grossa, führte.

Alter Olivenbaum an jungen Weingärten

Zu Schulzeiten hatte Alberto das Buch „Der Baron auf den Bäumen“ von Italo Calvino gelesen. Zusammen mit den Erinnerungen seines Großvaters wurde daraus Selvagrossa und das Logo mit dem Jungen, der über Baumkronen läuft. Natur bedeutet den Brüdern Taddei sehr viel. Es wird mit Überzeugung nur Schwefel und Kupfer auf die Pflanzen gespritzt, zwischen den Reihen wächst Gras und festigt den lehmigen Boden, geschicktes Schneiden erspart den Stöcken Stress.

Die auffällig niedrigen Kulturen nützen optimal die Wärme des Bodens und gearbeitet wird nahezu ausschließlich per Hand. „Wir leben hier mitten in unseren Weingärten und brauchen kein Gift um uns herum“, ist ein überzeugendes Argument Albertos.

Seit kurzem erzählen die Etiketten auf den Flaschen von Selvagrossa die Geschichten von Trimpilin, Muschén und Poveriano. Geschaffen wurden die launigen Bilder von Luca Meloni, einem Künstler in Pesaro. Aber nicht nur deswegen werden diese Rotweine auch international beachtet. Sie entsprechen in ihrer feinen Eleganz vollends der zeitgemäßen Linie, wie sie weltweit geschätzt wird. Wer bis heute noch keine Gelegenheit hatte, sich in Trimpilin oder Muschén zu vertiefen, kann dieses beim nächsten Badeurlaub an der Adria nachholen.

Alessandro Taddei

Sollte die elektronische Navigation versagen, kann man sich von Alessandro „aufklauben“ lassen. Man darf dann besten Gewissens dem Wein zusprechen, denn sicherheitshalber gibt´s auf Selvagrossa auch ein Agritursimo mit ein paar gemütlichen Gästezimmern, in denen die belebende, aber dem Autofahren keineswegs zuträgliche Wirkung von Trimpilin, Poveriano und Muschén beim süßen Gesang der Nachtigall gnädig überschlafen werden kann.

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