Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Foto © Aquila del Torre

Amici del Picolit*: Renaissance einer fast vergessenen Rebsorte

*Associazione Picolit Savorgnano del Torre

Vier Winzer und ihre Leidenschaft für eine kleine Traube

Foto © Marco Sara
Foto © Aquila del Torre

Im Norden der Colli Orientali del Friuli liegt die Gemeinde Povoletto mit der malerischen Ortschaft Savorgnano del Torre. In den Weingärten dieser Region gedeiht eine bestimmte Traubensorte zu ganz besonderer Qualität. Beinahe wäre sie vergessen worden, weil sie wenig Ertrag bringt und sich in erster Linie zum Passito (Süßwein) eignet. Woher der Name Picolit kommt, darüber ist man sich uneins. Im 18. Jahrhundert leitete Antonio Zanon, ein Kaufmann und Unternehmer, die Bezeichnung aus dem französischen „Piquepoulle“ her, einer Rebe, die aus Afrika nach Frankreich gebracht worden sein soll.

Großteils ist man sich aber einig, dass die Traube ursprünglich aus dem Friaul kommt. Das Wort Picolit (Piccolito, Piccolit) könnte sich von „piccolo“ herleiten, aufgrund der Kleinheit der Traube, so vermutet es Norbert Tischelmayer in seinem Wein-Glossar.

 

Durch die Initiative von mittlerweile über 30 Winzern erfährt der Picolit wieder eine erstaunliche Renaissance. Die „Amici del Picolit“, oder wie sie es selber genannt werden wollen, Associazione Picolit Savorgnano del Torre, es gibt bereits seit 1991, nehmen die Mühen und die Risken dieser heiklen Sorte gern auf sich.

Wenn es ein gutes Picolit-Jahr war, dann kommen die Trauben in luftdurchlässige Kisten, wo sie 40 bis 45 Tage trocknen, bevor sie behutsam gepresst werden und in Eichenfässern der Saft langsam zu Wein vergoren wird.

 

Zu dieser Gruppe, sie steht unter der Führung ihrer Präsidentin Francesca Ciani, gehören auch die vier Weingüter Falcòn, Sara & Sara, Marco Sara und Aquila del Torre. Für jeden von diesen Winzern nimmt der Picolit in der jeweiligen Produktpalette einen besonderen Rang ein

Zauberhafte Landschaft der Colli Orientali del Friuli

Man denkt bereits an eine Sottozona DOCG, die nicht nur, so die Präsidentin, diese Traubensorte, sondern auch die typischen Produkte dieser Region um Povoletto und Savorgnano del Torre bekannt machen soll. Einen Versuch wär´s wert, denn allein die Natur rund um die beiden Ortschaften, mit Wald, Weingärten und den pittoresken Winzerhäusern, die nicht selten einen Agriturismo angeschlossen haben, verspricht Erholung pur.

Germano Petrichiutto © Falcòn

Im Hause Falcòn wird in der zweiten Generation Wein gemacht. Germano Petrichiutto bearbeitet acht Hektar, die ein stattliches Gefälle von 30 bis 35 % aufweisen. Seit 1998 wurden nach und nach die Weinberge verjüngt. Bearbeitet werden sie in einer Technik namens „Guyot“. Die Reben werden horizontal gebunden, auf einer Länge von 50 cm wachsen die Triebe senkrecht nach oben. Selbstverständlich wird händisch gelesen. Eine Spezialität von Falcòn sind die Auslesen von Picolit, Tocai Friulano (Grisiole) und der Falcon Rosso.

Sara & Sara wurde von Giuliano Sara gegründet. Derzeit wird der sympathische Familienbetrieb von Alessandro geführt. Für ihn ist die Gegend um Savorgnano del Torre ideal für den Picolit. Sie ist reich, so schreibt er, an Wasserläufen, Wäldern und Hügeln, deren Boden aus Mergel und tonigem Sandstein besteht. Dazu kommt ein ideales Mikroklima. Geschützt vor den kalten Winden aus dem Norden kann sich die Botrytis bestens entwickeln und den Süßweinen, auch dem Verduzzo, die entsprechende Eleganz verleihen.

Foto © Sara & Sara

Dazu kommen wiederentdeckte antike Techniken. Getrocknet werden die Trauben auf Matten und der Wein wird nicht filtriert, um ihm seine Ehrlichkeit und Authentizität zu bewahren – schließlich wird in der Gegend um das heutige Savorgnano del Torre seit den Römern Wein angebaut. Allessandro Sara kann also auf eine lange Tradition verweisen und versucht dieser mit seinen Weinen gerecht zu werden.

Familie von Marci Sara © Marco Sara

Marco Sara ist Bioweinbauer aus Leidenschaft (agricultura organica) und Philosoph (il nostre idee). Er hat großen Respekt vor der Erde und allen den Organismen, die den Boden beleben. Für ihn ist das der beste Weg, Authentizität und Qualität der Trauben zu erreichen. Sein beinahe poetisches Motto: Wir sind aufgewachsen, wir haben zugehört, wir haben gelernt und Erfahrungen gesammelt, und wir sind auf dem Weg.

Die Schlüsselwörter für seine Produktion sind Bevibilità (Trinkfreude und Bekömmlichkeit seiner Weine), Territorialità (zum Terroir gehört nicht nur der Boden, sondern auch die Kultur), Sensibilità-Umantità (der Wein soll den Menschen, der ihn hergestellt hat, widerspiegeln) und Profondità (gegeben durch die tiefen Wurzeln der Reben). Das alles zusammen, so sagt Marco, charakterisiert unsere Idee von einem natürlichen Wein.

Seit 2011 ist auch das Weingut Aquila del Torre als biologisch zertifiziert. In diesem Zusammenhang findet sich auch die Bezeichnung Oasi Picolit (Oase des Picolit), ein Begriff, der aufgrund der besonderen Schönheit der Natur rund um das Weingut entstanden ist. Es wird von einem Refugium geschwärmt, in dem von menschlicher Hand Wein kultiviert wird, in perfekter Harmonie mit dem Wald, der die Weingärten umgibt. Der Picolit ist schließlich das Symbol dieses fantastischen Gebietes. Den schönsten Überblick genießt man vom Weingut aus. Aquila ist der Adler und der Blick streift, so wird es versprochen, tatsächlich wie im Flug dieses Vogels über die Hügel von Savorgnano bei Udine. Betrieben wird das Weingut des „Adlers vom Turm“ von Papa Claudio, seinen Kindern Francesca und deren Gatten Pier Francesco und Michele und seiner Frau Elisabetta. Sie alle sind in ihren Berufen bestens ausgebildet und erfolgreich. Ihre Liebe zum Wein, nicht zuletzt zum Picolit, lässt sie aber gerne ihr Können in ihrer persönlichen Oase Aquila del Torre einbringen.

Aquila Famiglia © Aquila del Torre

Statistik