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Geheimakte Tripolis Ensemble © Rolf Bock

„Geheimakte Tripolis“: Glas oder Kanonen zum Überleben?

Geheimakte Tripolis Szenenfoto © Rolf Bock

Ein spannender Wirtschaftskrimi gibt Einblick in internationale Waffengeschäfte

Die Handlung spielt im Wien der 1980er-Jahre, könnte aber heute genau so gut ablaufen. Waffengeschäfte sind zeitlos und ebenso seit jeher nie ganz sauber. Immerhin handelt es sich um Gerätschaften, die für das Töten von anderen Menschen erzeugt und gehandelt werden. Wenn nun das Ansinnen der Bank, Waffen zu produzieren, ausgerechnet eine Glasfabrik trifft, die im Moment an zu wenig Auslastung leidet, dann wir die Angelegenheit heiß. Mit einem Schlag wären die renommierten und traditionsreichen Taborwerke ihre Sorgen los. Sie brauchen nur auf vorhandenen Maschinen statt High-Tech-Glas Buntmetallteile präzise zu fräsen. Politisch und behördlich ist alles bestens vorbereitet, die erforderlichen Genehmigungen liegen angeblich vor und von höchster, wirklich allerhöchster Stelle wurde das OK erteilt – wäre da nicht der Widerstand des Prokuristen und die geheimnisvolle Glasgalle.

 

Die Freie Bühne Wieden hat sich mit „Geheimakte Tripolis“ wieder als das ideale Haus für besondere dramatische Entdeckungen erwiesen.

Geheimakte Tripolis Szenenfoto © Rolf Bock

Bei der Premiere dieses Wirtschafts- und Politdramas von Matthias Mander hat es sich um eine Uraufführung gehandelt, die von der Prinzipalin Michaela Ehrenstein persönlich inszeniert wurde. Als Bühnenausstattung genügt das praktisch eingerichtete Büro des Oberbuchhalters und Prokuristen Mag. Johann Zisser (Klaus Haberl) und einige wenige bemerkenswerte Gegenstände aus Glas (ein gläsernes Pferd, eine Ballonflasche und ein unauffälliges Schälchen). Schließlich stammt Zisser von Glasmachern ab, ebenso wie Dr. Christa Lohr (Michaela Ehrenstein oder alternierend Brigitte Quadlbauer). Sie ist in den Taborwerken zur Entwicklung besonders widerstandsfähigen und genau geschliffenen Glases zuständig.

Sie erinnert sich gerne an ihren Großvater, der mit der Glasmacherpfeife auf der Bühne vor dem Ofen stand und damit kunstfertig sogar riesige Glasballons erzeugte. Beider Herz schlägt fürs Glas, aber auch das von Generaldirektor Franz Fruhmann (Gerhard Dorfer). Der einzige, der dem Vorschlag der eiskalten Strategiedirektorin Dr. Vilma Eigner (Anita Kolbert) etwas abgewinnen kann, ist Dipl.-Ing. Kurt Partl (Alfons Noventa), der Betriebsleiter. Er muss Hunderten Mitarbeitern Beschäftigung bieten und kann sich seiner Meinung nach Gewissen deswegen nicht erlauben.

Geheimakte Tripolis Ensemble © Rolf Bock

Das Publikum erhält mit diesem Stück Einblick in einen durchaus real gezeigten Entscheidungsablauf im Rahmen eines Großbetriebes. Alles scheint auf der Ebene von knallharten Kalkulationen zu laufen. Das Menschliche, die Zurückhaltung vor illegalen Deals und Schiebungen auf den internationalen Märkten wird zum für die Wirtschaft uninteressanten Privatvergnügen gestempelt.

Matthias Mander hat dazu penibel recherchiert, schließlich geht es um Geschäfte, über die aus den Zeitungen von damals zitiert wird. Aber auch in den ausführlichsten Artikeln steht kein Wort von der Glasgalle, einem Wunderstoff, der bei der Glaserzeugung anfällt. Mit ihrer Wirkung sollten bei solchen Unternehmungen aber die coolsten Manager rechnen, um nicht wie zahlreiche Prominente dieser Tage statt beim Ehrenzeichen auf der Brust hinter Schwedischen Gardinen zu landen.

Geheimakte Tripolis Ensemble © Rolf Bock

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